Erlösung in der 117. Min. ...
Seit Wochen gab es für uns kein anderes Thema mehr als das Pokalfinale gegen die uns unbekannten Neuköllner. Wir wollten nach dem Pokalkrimi vom Halbfinale auch in der Liga punkten um im Rhythmus zu bleiben und um im Pokalfinale topfit zu sein (so gab Peter vor von den verbleibenden 4 Spielen 4 Siege einzufahren!) Dies gelang uns bestens, wobei die Gegner es teilweise auch zuließen, so dass wir bis zum Finale nicht mehr richtig gefordert wurden. Neukölln trat dagegen einmal nicht an und sorgte mit einem 1:5 gegen Solidarität für etwas Erstaunen in unseren Reihen. Wer jedoch gegen Knallrot gewann, konnte folglich nicht schlecht sein und dass im Finale beide Teams mit der Bestbesetzung antreten würden, war uns auch klar, so dass der Gegner zu keiner Zeit unterschätzt wurde. Seit Wochen wurde intensiv auf das Finale hingefiebert und entsprechend motiviert und konzentriert liefen auch unsere letzten Trainingseinheiten ab. Jeder wollte sich natürlich präsentieren, um im Finale von Anfang an spielen zu dürfen und Peter hatte letztendlich die Qual der Wahl, da wir mit 18 Mann alle verfügbaren Spieler (es fehlten: Kerze, Knapik, Thorte (pünktlich zum Pokalfinale jedoch aus Australien wieder im Lande), Neumann, Petzold) beisammen hatten. So erwischte es im Vorfeld Tobi und AlbertJunior, da wir nur 16 Spieler nominieren konnten. Tobi und AJ übernahmen den Part der Fanbeauftragten und sorgten für ein grandioses Umfeld. Auf der Bank nahmen Steppi, Helma, Olli, Hanjo und Simon platz. Überraschend war die Nominierung von Henning, der als zweikampfstarker Spieler den Vorzug vor Simon erhielt. Junior wurde bis zum Finale geschont und konnte letztendlich im Sturm auflaufen. Beim Gegner sah dies natürlich ähnlich aus und auch sie hatten ihre beste verfügbare Elf beisammen, so dass wir (zu recht) von einem engen Spiel ausgingen. Über 110 Zuschauer (aus den eigenen Reihen - Eltern, Verwandte, Freunde…) folgten uns zur Unterstützung in die Bosestr. und gaben dem gesamten Spiel alleine dadurch eine ganz besondere Atmosphäre. Banner (AJ, Tobi, Gerdi, Olli …), Doppelhalter (Olli, Tobi), ein tolles Plakat von unseren Frauen sowie diverse Luftballons taten auch dem Auge sehr gut. :-) Neukölln kündigte auf ihrer HP mit den Worten "Am 23.06. wandert ein Bezirk nach Tempelhof" einen ähnlichen Anhang an und wir waren letztendlich alle etwas erstaunt, dass in Neukölln scheinbar nur 15-20 Leute wohnen. ;-) Alles war angerichtet und gegen 14 Uhr pfiff SR Utz Wollitz das Spiel vor insgesamt über 170 Zuschauern an.
Scheinbar war die Nervosität in unseren Reihen doch höher als erwartet, denn in den ersten 10 Min. gelang uns fast gar nichts. Zum Glück brauchte auch Neukölln etwas Zeit um in das Spiel zu finden, so dass in den ersten Minuten recht wenig geschah. Aus dem Nichts gelang uns nach einer Ecke dann jedoch die Führung. Neukölln bekam den Ball nicht aus dem Strafraum und Junior zimmerte einen Abpraller mit links zum 1:0 unter die Latte. Was für ein Auftakt! Trotz der Führung im Rücken, fanden wir nicht so richtig unseren Rhythmus, während Neukölln besser in das Spiel fand und nach ca. 20 Min. den nicht unverdienten Ausgleich mit einer wirklich sehenswerten Kombination erzielte. Angespornt durch "Kämpfen-Biber-Kämpfen" Sprechchöre unserer Fans legten wir die Nervosität nach und nach ab und legten auch an Tempo noch mal zu. Durch Fernschüsse, die der insgesamt unsicher wirkende Torwart der Neuköllner meistens nie festhalten konnte, sorgten wir für Gefahr und witterten unsere Chancen. Als sich nach ca. 30 Min. der Himmel schwarz färbte und ein dicker Schauer auf uns einprasselte, hatten wir unsere beste Spielphase der ersten Hz. Der Platz stand für ein paar Min. völlig unter Wasser, womit der Gegner gar nicht klar kam. Bei uns gewannen in der Phase vor allem Endel und Vinni jedes Laufduell. Albert verfehlte anschließend das Tor mit einen Schuss vom Strafraum, ehe Vinni mit einem tückischen Aufsetzer beinahe für das 2:1 sorgen konnte. Auch hier hatte der gegnerische Keeper mehr Glück als Verstand, da er den Ball eigentlich fangen wollte und der Ball von seinem Oberarm knapp am Pfosten zur Ecke abprallte. Es folgten Chancen für Junior und Endel, die jedoch leider nicht die erhoffte Führung einbrachten. Auf der Gegenseite wurde es einmal noch richtig spannend als Henning mit einem saumäßigen Rückpass Benni auf die Probe stellte. Benni verlor den Ball zwar an einen Neuköllner, aber konnte dessen schwachen Schuss dann parieren. Die Hz wurde dann mit einem extrem üblen Foul an Nico, der zum Glück weiterspielen konnte, beendet. Mit einer gelben Karte konnte sich der Neuköllner Spieler Karkos glücklich schätzen. Mit dem 1:1 konnten wir nicht zufrieden sein, da wir trotz einer mäßigen Leistung die besseren Chancen besaßen. Es konnte jedoch nur besser werden. Peter hielt eine sachliche Ansprache in der Kabine und auch alle Spieler machten einen gefassten Eindruck.
Als wir das Spielfeld zur zweiten Hz dann betraten und von unseren Zuschauern frenetisch gefeiert wurden, stand für jeden Spieler fest, dass wir hier heute nicht verlieren durften und so legten wir nochmals an Tempo zu. Ein erster Freistoß von der Mittellinie landete bei Henning, der den Ball per Kopf an den Pfosten hämmerte. Ein Raunen ging durch das Stadion. Wir gaben von dort an keinen Ball verloren und versuchten über den Kampf unsere spielerische Linie zu finden. Dies gelang uns gut und wir konnte nach und nach mehr Spielanteile für uns verbuchen. Neukölln versuchte es dagegen immer mit den gleichen 2 Methoden nach vorne zu kommen. Entweder wurde ihr quirliger Stürmer, der im gesamten Spiel in Jockel seinen Meister fand, lang angespielt oder ihr zentraler Spielmacher ging mit einem Solo auf und davon. Auf beide Varianten stellten wir uns gut ein. Nach nur 5 Min. verletzte sich leider Michel relativ schwer am Fuß und wurde durch Simon ersetzt. Auch für Nico ging es wiederum 5 Min. später nach dem üblen Foul der ersten Hz nicht mehr weiter, so dass Steppi auf der rechten Seite zum Einsatz kam. Dieser Wechsel sorgte für etwas Verwirrung, die Neukölln eiskalt zur Führung nutzen konnte. Es wurde einmal nicht energisch genug angegriffen und schon gelang Neukölln der überraschende Führungstreffer. Eine Flanke von unserer rechten Seite rutschte zwischen Benni und der Abwehr bis zum zweiten Pfosten durch, wo ein Neuköllner den Ball ins kurze Eck einschieben konnte. Der Rückstand war zu dem Zeitpunkt echt bitter, da wir die tonangebende Mannschaft waren. Neukölln hatte kurz nach dem 1:2 noch eine Kopfballchance, die für Benni jedoch kein Problem darstellen sollte. Angeheizt durch unsere Fans sollte dies auch die letzte Möglichkeit der Neuköllner sein. Wenn wir in dieser Saison eins gelernt haben, dann war das die Tatsache mit Rückständen umgehen zu können. Wir blieben mit dem Gewissen von über 30 Min. Spielzeit ruhig und griffen vermehrt über unsere Außenbahnen an. Rund 10 Min. nach dem Rückstand startete Vinni, der im gesamten Spiel gut bewacht wurde, ein tolles Solo und spitzelte den Ball im entscheidenden Moment auf Endel in den Strafraum durch. Endel hatte zwar einen relativ spitzen Winkel zum Tor vor sich, welcher jedoch nicht umsonst in Fachkreisen der Endel’sche Winkel genannt wird. Ein trockener und harter Flachschuss in die lange Ecke ließ dem Keeper keine Chance und das Stadion verwandelte sich in einen Hexenkessel. Das Tor war eine wahre Erlösung und wurde entsprechend gefeiert. Als sich alle wieder einigermaßen beruhigt hatten und die ganzen Luftballons vom Platz verschwunden waren ging es weiter… und zwar weiter auf das Tor der Neuköllner, welche sich immer öfter nur noch durch Fouls zu helfen wussten. Ein mit gelb vorbelasteter Spieler foulte 3-4 Mal innerhalb von 5 Min. und bekam anschließend vom SR für seine gesamte Mannschaft eine allerletzte Verwarnung ausgesprochen. Diese allerletzte Verwarnung wurde dann irgendwann ausgereizt und ein Neuköllner Spieler, der zwar nicht so oft wie andere in Erscheinung getreten war, musste mit G/R vom Platz. Das Spiel begann hektisch zu werden. Der Neuköllner Anhang und vor allem manche Spieler (nicht alle!!!) fingen an zu provozieren, was an uns jedoch völlig abprallte. Keiner ließ sich auf eine Diskussion ein, was den Gegner nur noch wilder machte. Trotz mittlerweile eindeutigen Feldvorteilen gelang es uns nur schwer das Neuköllner Mauerwerk zu durchbrechen. Hohe Flanken brachten nicht den erhofften Erfolg und wurden doch immer wieder versucht. Albert konnte mit zwei harten Freistössen in die Torwartecke immer wieder die Schwächen des Torhüters offenbaren. Dieser konnte keinen Ball festhalten, jedoch irgendwie das Gegentor verhindern. Nach einem weiteren heftigen Revanchefoul gegen Albert flog der zweite Neuköllner Spieler 5 Min. vor dem Schlusspfiff endlich - siehe Foul an Nico in der ersten Hz - vom Platz. Albert hatte daraufhin einen tennisballähnlichen Knöchel, aber spielte natürlich weiter, da mit Helma zuvor auch unserer dritter Wechsel vorgenommen wurde. Neukölln stellte sich mit Mann und Maus hinten rein und wollte sich in das Elfmeterschießen retten. Da wir nicht absolute Brechstange spielten, kamen auch die Neuköllner irgendwann dahinter, dass es im Finale eine Verlängerung geben würde, was mit ungläubigen Augen aufgenommen wurde. Nach 90 Min. war das Spiel vorbei und es ging mit einem 2:2 in die Verlängerung.
"Bloß nicht wieder verkrampfen", hiess die Devise. Die Überzahl mussten wir "nur" gekonnt ausspielen, was leichter gesagt war als getan, denn wer hatte jemals eine Verlängerung gespielt? Der Gegner versuchte es gar nicht mehr offensiv in Erscheinung zu treten und gab bereits jeden Abstoss schon "freiwillig" an uns ab. Nach einer flachen Hereingabe von der rechten Seite hatte Steppi die Führung auf dem Fuß, aber traf leider nur die Latte. Eine noch viel dickere Chance hatte Junior kurz vor der Hz, als ihm ein Ball aus 10 Meter genau auf den rechten Schlappen fiel. Sein Hammer ging jedoch neben das Tor. Gleiches Bild auch in der zweiten Hz. Spiel auf ein Tor war angesagt und nachdem Benson eine Hereingabe knapp über die Latte hämmerte und Schüsse von Arti, Henning und Vinni das Tor doch deutlich verfehlten, flatterten auch unsere Nerven. "Bloß kein Elfmeterschießen" spukte in allen Köpfen umher. Vinni spielte gerade in der Verlängerung seine Fitness aus und seine Bewacher konnten ihn nicht mehr folgen. Am Strafraum war aber auch für ihn kein Durchkommen. Kurz vor dem Ende der Verlängerung sollte einer dieser Sololäufe jedoch spielentscheidend sein. Vinni wurde bei einem Torschussversuch kurz vor dem Strafraum am Oberschenkel getroffen und fiel mit schmerzverzerrtem Gesicht hin. Dem Gegner bekam die lange Spieldauer anscheinend nicht so gut und sie deuteten Vinnis Gesichtsausdruck als lachen und waren außer sich. Hier kann man die Neuköllner jedoch auch im Nachhinein versichern, dass Vinni ein schmerzverzerrtes Gesicht hatte, da er am Oberschenkel getroffen wurde und der Freistosspfiff somit auch völlig in Ordnung ging. Albert und Helma traten an, da die Position eher für einen Linksfuß geeignet war. Die überraschende 3-Mann Mauer wurde von Albert jedoch mit einem "OK, den mach ich doch selber!" aufgenommen. Sein Vollspannschuss wurde von einer Neuköllner Hüfte anschließend für den Torwart unhaltbar abgefälscht und zischte in die Maschen. Der Jubel und die Erleichterung waren grenzenlos. Albert rannte in die Fankurve und wurde von Fans und Spielern fast erdrückt. Wie geil war das denn? :-) Für den Gegner brachen nun alle Dämme. Es wurde geschimpft, gemeckert und diskutiert. Auf einmal waren alle unsere Zuschauer beleidigend, die Schiedsrichter waren Verbrecher und wir wurden übel beschimpft. Wegen einer Beleidigung an den SR flog anschließend Neuköllner Nummero 3 vom Platz und nach 15-minütiger Diskussion zwischen SR und LR ging es endlich irgendwann weiter. Neukölln warf alles inkl. Torwart nach Vorne und hatte Glück, dass Junior bei einem Konter unsererseits das leere Tor nicht traf. Als der Schlusspfiff ertönte, war der Jubel grenzenlos, wobei die Spieler auf dem Platz erst mal verschnaufen mussten, ehe sie ausgelassen feiern konnten. Unsere Zuschauer zündeten mehrere Bengalos und sorgten für grandioses Pokalflair nach dem Abpfiff. Nach der Überreichung beider Pokale wurde ausgiebig gefeiert, so fern die Muskeln es noch zuließen.
Nach der obligatorischen Dusche ging es auf direktem Wege in das gemütliche Eck, wo die Pokalparty steigen sollte. Zuschauer, BSC I und II sowie allerlei Anhang feierten ausgelassen bis zum nächsten Morgen durch. Die Neumann’schen Aufgaben für einen Titelerfolg wurden allesamt erfolgreich abgearbeitet und sorgten so für jede Menge erheiterter Gesichter.
Zurückblickend war es ein grandioser Tag, der besonders durch unseren riesigen Anhang ermöglicht wurde. Vielen Dank nochmal! Auch wenn es sicherlich kein genialeres "Happy End" geben kann, wäre uns ein deutlicherer Sieg sicherlich lieber gewesen. Neukölln war der erwartet schwere Gegner und lieferte uns einen packenden Pokalfight. Glückwunsch auch an den Gegner für diese gute Leistung. Letztendlich sind die Neuköllner einfach zu hart eingestiegen und haben die entsprechende Quittung erhalten.
Nachdem wir in den letzten 2 Jahren nur durch Elfmeterschießen aus dem Pokal flogen, datiert unsere letzte 'richtige' Pokalniederlage mittlerweile vom Dez. 2003. Diese Serie wollen wir natürlich möglichst noch mind. ein Jahr lang halten, um den Pokal zu verteidigen. Neusten Presseberichten zu Folge steht uns so ein Pokal nämlich sehr gut. :-)
Der Vorstand bedankt sich für die Krönung unserer schwersten, aber zugleich besten Saison bei allen Spielern, Fans und sonstigen beteiligten Personen. Den Pokal haben WIR uns GEMEINSAM verdient. Wir sind stolz auf euch...
| Stellungsnahme: Das die Emotionen in so einem Spiel enorm sind, war jedem klar und so wurden Ankündigungen einer dritten Hz und sonstige verbale Entgleisungen von Neuköllner Seite nicht nachtragend angesehen. Leider erwies sich Neukölln als ganz schlechter Verlierer abseits des Platzes, so dass wir uns gezwungen sehen darauf einzugehen: Abgesehen von einem völlig wirren Spielbericht seitens Neukölln, gab es KEINE rassistischen Äußerungen zu hören. Kein Spieler auf dem Platz, keiner unserer Zuschauer, keiner der gefragten Zuschauer anderer Vereine haben derartiges vernommen und auch der Gegner beschwerte sich nicht während des Spieles über derartige Äußerungen. Auch im Nachhinein gab es keine Anmerkungen darüber, so dass die Neuköllner Anschuldigungen für uns aus dem Nichts kamen. Angesichts unserer Nachforschungen handelt es sich (zum Glück!) um eine üble Verleumdung von der wir uns in jeglicher Form distanzieren. Wenn die jungen Neuköllner es nicht lernen andere Vereine zu respektieren (siehe diverse andere Spielberichte), dann brauchen sie sich auch nicht über eine gewisse Antisympathie auf und neben den Platz wundern. Beleidigungen oder ähnliches auf die Schiene "Rassismus" abzuwälzen (auch das gibt es bei anderen Spielberichten der Neuköllner wiederholt zu lesen), ist unterste Schublade. Des Weiteren sei zum Abschluss erwähnt, dass nur ein Zuschauer auf dem Platz sich völlig daneben benommen hat und zu Recht vom Gelände entfernt wurde. Dieser war Anhänger der Neuköllner… |
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